Marina Weisband ist Diplom-Psychologin, Beteiligungspädagogin, Publizistin und Expertin für digitale Demokratie. Bundesweit bekannt wurde sie 2011 als politische Geschäftsführerin der Piratenpartei. Heute steht nicht mehr die Parteiarbeit im Mittelpunkt, sondern die Frage, wie Kinder und Jugendliche demokratische Mitbestimmung praktisch lernen können.
Dafür entwickelte Weisband das Beteiligungskonzept „aula“. Daneben veröffentlicht sie Sachbücher, hält Vorträge und äußert sich zu Bildung, Digitalisierung, Antisemitismus, jüdischem Leben, der Ukraine und den Folgen künstlicher Intelligenz. Ihre öffentlichen Aktivitäten sind allerdings durch ihre Erkrankung an ME/CFS erheblich eingeschränkt.

Marina Weisband im Überblick
| Merkmal | Verifizierte Angabe |
|---|---|
| Vollständiger Name | Marina Weisband |
| Geburtsdatum | 4. Oktober 1987 |
| Geburtsort | Kiew, damals Ukrainische SSR in der Sowjetunion, heute Ukraine |
| Alter | 38 Jahre, Stand August 2026 |
| Staatsangehörigkeit | deutsch und ukrainisch |
| Wohnort | Münster |
| Ausbildung | Diplom-Psychologin |
| Bekannt geworden durch | Politische Geschäftsführerin der Piratenpartei |
| Amtszeit bei den Piraten | Mai 2011 bis April 2012 |
| Heutige Parteizugehörigkeit | Bündnis 90/Die Grünen |
| Aktuelle Arbeit | Konzept und „Head of Vision“ bei der aula gGmbH |
| Weitere Tätigkeiten | Publizistin, Autorin, Rednerin und Künstlerin |
| Gesundheit | öffentlich bestätigte Erkrankung an ME/CFS |
| Familienstand | verheiratet, eine Tochter |
Die Bezeichnung „Politikerin“ ist bei Marina Weisband nicht falsch, benötigt aber eine Einordnung: Sie ist politisch aktiv und Mitglied der Grünen, bekleidet derzeit jedoch kein bekanntes parlamentarisches Mandat und kein führendes Parteiamt. Ihre gegenwärtige Arbeit findet vor allem in Bildung, Zivilgesellschaft und Öffentlichkeit statt.
Kindheit in Kiew und Neuanfang in Deutschland
Marina Weisband wurde am 4. Oktober 1987 in Kiew geboren und wuchs in einer jüdischen Familie auf. Ihre frühe Kindheit verbrachte sie in der damals noch zur Sowjetunion gehörenden Ukraine. Im Jahr 1994 zog sie mit ihrer Familie nach Deutschland. Die Einreise erfolgte im Rahmen der Aufnahme jüdischer Kontingentflüchtlinge aus der ehemaligen Sowjetunion.
Die Familie ließ sich in Wuppertal nieder. Dort wuchs Weisband auf und legte 2006 ihr Abitur ab. Ihre Biografie verbindet mehrere Perspektiven: Sie ist in der Ukraine geboren, in Deutschland aufgewachsen, besitzt beide Staatsangehörigkeiten und spricht Deutsch, Russisch und Englisch.
Diese Erfahrungen prägen viele ihrer öffentlichen Beiträge. Sie spricht über Migration und gesellschaftliche Zugehörigkeit, über jüdisches Leben in Deutschland sowie über die Ukraine und den russischen Angriffskrieg. Dabei argumentiert sie nicht nur aus parteipolitischer Sicht, sondern häufig aus ihrer persönlichen und familiären Geschichte heraus.
Von 2006 bis 2013 studierte Weisband Psychologie an der Universität Münster. Das Studium schloss sie mit dem Diplom ab. Psychologische Begriffe wie Selbstwirksamkeit, Motivation, Verantwortung und erlernte Hilflosigkeit spielen später eine zentrale Rolle in ihrer Bildungsarbeit.
Der politische Aufstieg bei der Piratenpartei
Marina Weisband trat 2009 in die Piratenpartei Deutschland ein. Die Partei gewann damals vor allem mit ihren Forderungen nach digitaler Freiheit, mehr Transparenz und neuen Beteiligungsformen an Aufmerksamkeit. Im Mai 2011 wurde Weisband zur politischen Geschäftsführerin gewählt und gehörte damit dem Bundesvorstand an.
In dieser Funktion war sie an der strategischen Ausrichtung beteiligt und vertrat die Piraten öffentlich. Nach den Wahlerfolgen der Partei, insbesondere dem Einzug in das Berliner Abgeordnetenhaus 2011, wurde sie zu einem ihrer bekanntesten Gesichter.
Weisband setzte bereits damals Schwerpunkte, die ihre spätere Arbeit bestimmten:
- politische Beteiligung über digitale Werkzeuge,
- transparente Entscheidungsprozesse,
- moderne Bildung,
- Selbstbestimmung und Kinderrechte,
- ein konsequenter Umgang mit Antisemitismus und Rechtsextremismus.
Im Januar 2012 kündigte sie an, nicht erneut für den Bundesvorstand zu kandidieren. Als Gründe nannte sie gesundheitliche Belastungen und den notwendigen Abschluss ihres Psychologiestudiums. Ihre Amtszeit endete im April 2012.
2015 verließ Weisband die Piratenpartei; öffentlich machte sie diesen Schritt erst 2016. Sie erklärte ihre Entscheidung unter anderem mit der politischen Entwicklung der Partei. Die frühere Behauptung, sie sei weiterhin Mitglied der Piraten, ist daher eindeutig veraltet.
2018 unterstützte sie Bündnis 90/Die Grünen zunächst bei netzpolitischen Fragen und trat anschließend der Partei bei. Sie engagiert sich dort insbesondere für Digitalisierung und Bildung. Ein gewähltes politisches Mandat übt sie nach öffentlich verfügbaren Informationen gegenwärtig nicht aus.
Was Marina Weisband heute macht
Im Mittelpunkt ihrer heutigen Arbeit steht das von ihr 2014 initiierte Projekt „aula“. Das Konzept soll Kindern und Jugendlichen ermöglichen, ihren Schulalltag verbindlich mitzugestalten. Weisband entwickelte die pädagogische Grundidee und arbeitet bis heute an ihrer Weiterentwicklung.
Dabei ist eine organisatorische Unterscheidung wichtig: Marina Weisband ist nicht die aktuelle Geschäftsführerin der aula gGmbH. Im Team wird sie für das Konzept und als „Head of Vision“ geführt. Die operative Geschäftsführung liegt bei anderen Personen.
Bei aula können Schülerinnen und Schüler über eine digitale Plattform Vorschläge einreichen, gemeinsam bearbeiten, diskutieren und darüber abstimmen. Dabei kann es beispielsweise um Aufenthaltsräume, Schulveranstaltungen, Pausenangebote, die Hausordnung oder bestimmte Unterrichtsthemen gehen.
Vor dem Start wird ein Beteiligungsvertrag abgeschlossen. Darin legt die Schule fest, welche Entscheidungen die Schülerinnen und Schüler treffen dürfen und wo rechtliche, finanzielle oder organisatorische Grenzen bestehen. Entspricht eine beschlossene Idee dem vereinbarten Rahmen, verpflichtet sich die Schule grundsätzlich dazu, sie mitzutragen.
Genau diese Verbindlichkeit unterscheidet das Konzept von unverbindlichen Befragungen. Kinder sollen nicht nur sagen dürfen, was sie sich wünschen. Sie sollen erleben, dass aus Diskussionen und Mehrheitsentscheidungen tatsächliche Veränderungen entstehen können.
Die Technik ist dabei nur ein Hilfsmittel. Zur Methode gehören auch Gespräche im Unterricht, Moderation, die Prüfung der Umsetzbarkeit und eine pädagogische Begleitung. Demokratiebildung bedeutet in diesem Verständnis nicht allein, politische Institutionen auswendig zu lernen. Junge Menschen sollen Kompromisse aushandeln, Verantwortung übernehmen und die Folgen eigener Entscheidungen erfahren.
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Demokratie, Bildung und digitale Gesellschaft
Marina Weisbands zentraler Gedanke lautet, dass Demokratie erlernt und regelmäßig praktiziert werden muss. Wer in Schule und Alltag hauptsächlich vorgegebene Aufgaben erfüllt, entwickle nicht automatisch die Fähigkeit, gemeinsam Entscheidungen zu treffen.
Deshalb verbindet sie Demokratiebildung mit dem psychologischen Konzept der Selbstwirksamkeit. Gemeint ist die Erfahrung, durch das eigene Handeln etwas verändern zu können. Nach Weisbands Ansatz kann diese Erfahrung jungen Menschen helfen, Verantwortung nicht ausschließlich an Lehrkräfte, Behörden oder politische Repräsentanten abzugeben.
Auch bei digitalen Beteiligungsformen vertritt sie keinen rein technischen Lösungsansatz. Eine App allein schafft noch keine demokratische Kultur. Es braucht verständliche Regeln, erreichbare Entscheidungsspielräume und die Bereitschaft der verantwortlichen Erwachsenen, Ergebnisse tatsächlich anzuerkennen.
Neben der schulischen Partizipation beschäftigt sich Weisband mit den gesellschaftlichen Folgen digitaler Plattformen und künstlicher Intelligenz. Sie thematisiert unter anderem die Macht großer Technologiekonzerne, die Veränderung der öffentlichen Debatte und mögliche Gefahren für unabhängigen Journalismus und demokratische Entscheidungsprozesse.
Von 2020 bis 2022 war sie Co-Vorsitzende von D64, einem zivilgesellschaftlichen Verein für digitalen Fortschritt. Auch nach dem Ende dieser Funktion blieb die Verbindung von Digitalisierung und Demokratie eines ihrer öffentlichen Kernthemen.
Jüdisches Leben, Antisemitismus und die Ukraine
Weisband spricht öffentlich über ihre jüdische Identität und darüber, wie vielfältig jüdisches Leben in Deutschland ist. Gemeinsam mit Eliyah Havemann entwickelte sie die Videoreihe „Frag einen Juden“. Daraus entstand später das Buch „Frag uns doch! Eine Jüdin und ein Jude erzählen aus ihrem Leben“.
Am 27. Januar 2021 hielt Weisband bei der Gedenkstunde für die Opfer des Nationalsozialismus eine Rede im Deutschen Bundestag. Dort sprach sie als Vertreterin einer jüngeren jüdischen Generation und machte darauf aufmerksam, dass jüdisches Leben in Deutschland häufig auf Verfolgung, Antisemitismus und Gedenken reduziert wird. Ihr Anliegen ist, auch den normalen, vielfältigen jüdischen Alltag sichtbar zu machen.
Ihre Herkunft aus Kiew beeinflusst zudem ihre Beiträge zur Ukraine. Seit dem Beginn des russischen Großangriffs am 24. Februar 2022 tritt sie öffentlich für die Unterstützung der Ukraine ein. Sie ordnet dabei russische Propaganda, die politische Entwicklung in Osteuropa und die langfristige Vorbereitung des Krieges ein.
Weisband verbindet diese Themen mit ihrer Demokratiearbeit. Antisemitismus, autoritäre Politik und Desinformation betrachtet sie nicht als voneinander getrennte Probleme. Für sie steht dahinter häufig dieselbe Frage: Erleben Menschen sich als verantwortliche Mitglieder einer demokratischen Gesellschaft oder ziehen sie sich in Passivität, Ressentiments und einfache Feindbilder zurück?
Bücher und wichtige Veröffentlichungen
Marina Weisband hat mehrere Sachbücher veröffentlicht. Darin verbindet sie persönliche Erfahrungen mit politischen, gesellschaftlichen und pädagogischen Fragen.
„Wir nennen es Politik – Ideen für eine zeitgemäße Demokratie“ (2013)
Ihr erstes größeres Sachbuch beschäftigt sich mit neuen Formen demokratischer Beteiligung. Es entstand im Umfeld ihrer Zeit bei der Piratenpartei, reicht thematisch aber über die Partei hinaus.
„Frag uns doch! Eine Jüdin und ein Jude erzählen aus ihrem Leben“ (2021)
Gemeinsam mit Eliyah Havemann beantwortet Weisband Fragen über Religion, jüdische Kultur, Alltag und Antisemitismus. Das Buch macht zugleich deutlich, dass es nicht die eine jüdische Perspektive gibt.
„Was uns durch die Krise trägt – Ein Generationengespräch“ (2023)
In diesem Gesprächsbuch diskutiert sie mit Frido Mann über gesellschaftlichen Zusammenhalt, Krieg, Krisen und demokratische Verantwortung.
„Die neue Schule der Demokratie – Wilder denken, wirksam handeln“ (2024)
Das unter Mitwirkung von Doris Mendlewitsch entstandene Buch fasst Weisbands Erfahrungen aus der Bildungsarbeit zusammen. Im Zentrum stehen echte Schülerbeteiligung, Selbstwirksamkeit und die Frage, wie Schulen demokratischer werden können.
Die Veröffentlichungen zeigen eine klare Entwicklung: Aus den frühen Überlegungen zu digitaler Demokratie wurde ein praktischer Ansatz, der politische Beteiligung bereits im Schulalter verankern soll.

Marina Weisband und ihre Erkrankung an ME/CFS
Marina Weisband hat öffentlich bestätigt, an ME/CFS zu leiden. Die Abkürzung steht für Myalgische Enzephalomyelitis beziehungsweise Chronisches Fatigue-Syndrom. Sie machte ihre Erkrankung 2021 öffentlich und nutzt ihre Bekanntheit seitdem auch, um über die Lebensrealität Betroffener aufzuklären.
ME/CFS ist nicht mit gewöhnlicher Müdigkeit gleichzusetzen. Zu den zentralen Merkmalen gehört eine erhebliche Verschlechterung nach körperlicher oder geistiger Belastung. Diese sogenannte postexertionelle Malaise kann zeitverzögert einsetzen und über Tage oder länger anhalten.
Weisband hat beschrieben, dass selbst Interviews oder öffentliche Veranstaltungen schwere gesundheitliche Folgen haben können. Bei manchen Auftritten nutzt sie deshalb einen Rollstuhl oder spricht in einer liegenden Position. Das ist kein Widerspruch zur Erkrankung: Auch Menschen, die noch kurze Strecken gehen können, können wegen stark begrenzter Energiereserven auf einen Rollstuhl angewiesen sein.
Trotz der Einschränkungen arbeitet Weisband weiter, muss ihre Aktivitäten jedoch streng an ihre Belastbarkeit anpassen. Ihre Erkrankung sollte weder verharmlost noch zum alleinigen Erklärungsmerkmal ihrer Person gemacht werden. Sie bleibt vor allem als Psychologin, Autorin und Demokratiepädagogin öffentlich tätig.
Familie und Privatleben
Marina Weisband lebt mit ihrer Familie in Münster. Sie ist seit 2013 verheiratet und hat eine 2016 geborene Tochter. Grundlegende Angaben dazu sind öffentlich bekannt, ihre Familie ist jedoch nicht Teil ihrer beruflichen Arbeit.
Über ihr Privatleben liegen entsprechend nur begrenzte verlässliche Informationen vor. Spekulationen über familiäre Details wären irreführend und für die Einordnung ihrer politischen und pädagogischen Arbeit nicht erforderlich.
Frequently Asked Questions
1. Wer ist Marina Weisband?
Marina Weisband ist eine deutsch-ukrainische Diplom-Psychologin, Publizistin und Beteiligungspädagogin. Bekannt wurde sie als politische Geschäftsführerin der Piratenpartei.
2. Wie alt ist Marina Weisband?
Sie wurde am 4. Oktober 1987 geboren und ist im August 2026 38 Jahre alt. Am 4. Oktober 2026 wird sie 39.
3. Ist Marina Weisband noch bei der Piratenpartei?
Nein. Sie verließ die Piratenpartei 2015 und machte ihren Austritt 2016 öffentlich. Seit 2018 ist sie Mitglied von Bündnis 90/Die Grünen.
4. Was macht Marina Weisband heute?
Sie entwickelt das Beteiligungskonzept aula weiter, veröffentlicht Bücher und spricht über Demokratie, Bildung, Digitalisierung, jüdisches Leben und die Ukraine.
5. Was ist das Projekt aula?
aula ist ein Beteiligungskonzept für Schulen. Schülerinnen und Schüler können Ideen entwickeln, diskutieren, darüber abstimmen und vereinbarte Veränderungen umsetzen.
6. Welche Krankheit hat Marina Weisband?
Sie leidet nach eigener öffentlicher Auskunft an ME/CFS, einer schweren chronischen Multisystemerkrankung mit deutlicher Belastungsintoleranz.
7. Ist Marina Weisband verheiratet und hat sie Kinder?
Ja. Sie ist seit 2013 verheiratet und hat eine Tochter. Weitere private Einzelheiten hält sie weitgehend aus der Öffentlichkeit heraus.
Conclusion
Marina Weisband hat sich von einem bekannten Gesicht der Piratenpartei zu einer einflussreichen Stimme für Demokratiebildung entwickelt. Ihr wichtigstes praktisches Projekt ist aula: Kinder und Jugendliche sollen demokratische Verantwortung nicht nur theoretisch verstehen, sondern im eigenen Schulalltag erleben.
Ihre Biografie verbindet die Ukraine, jüdisches Leben in Deutschland, digitale Politik und psychologische Bildungsarbeit. Trotz der erheblichen Einschränkungen durch ME/CFS beteiligt sie sich weiterhin an gesellschaftlichen Debatten. Wer ihre aktuelle Arbeit verfolgen möchte, sollte besonders auf neue Veröffentlichungen, Vorträge und Entwicklungen rund um aula achten.